Die Schule soll verbinden, nicht nach Glauben trennen
Von Bettina Petzold-Mähr, FBP-Landtagsabgeordnete
Die Debatte über den Religionsunterricht berührt ein sehr sensibles Thema. Und das ist verständlich. Denn Glaube – egal in welcher Glaubensrichtung - gibt vielen Menschen Halt, Orientierung und Gemeinschaft. Daran gibt es für mich keinen Zweifel und das ist auch wichtig.
Doch für mich stellt sich die Grundsatzfrage: Was ist die eigentliche Aufgabe der Schule? Und was gehört in die Verantwortung der Familien und Glaubensgemeinschaften?
Die Schule ist für mich kein Ort mehr für religiöse Glaubensvermittlung. Sie ist ein Ort der Bildung. Der persönliche Glaube ist ein hohes Gut – er ist Privatsache und gehört in die freie Selbstbestimmung des Einzelnen und ins Elternhaus. Der Staat hingegen hat sich auf seine Kernaufgaben zu konzentrieren.
Wer heute noch an starren konfessionellen Trennungen festhält, wird der gesellschaftlichen Realität nicht mehr gerecht. In unseren Schulzimmern sitzen Kinder unterschiedlichster Glaubensrichtungen ebenso wie Kinder ohne Bekenntnis. Eine Schule, die Schüler nach Konfessionen aufteilt, trennt statt zu verbinden. Genau das ist in einer vielfältigen Gesellschaft der falsche Weg.
Gute Bildung befähigt junge Menschen zum eigenständigen Denken. Deshalb halte ich ein gemeinsames, weltanschaulich neutrales Fach für Ethik und Religionen für zeitgemäss. Dort lernen Kinder Verantwortung, Menschenwürde und gegenseitigen Respekt. Sie lernen unsere christlich geprägte Kultur verstehen, aber eben auch den Umgang mit Vielfalt und anderen Glaubensgemeinschaften.
Tradition und Veränderung schliessen sich nicht aus. Wir bewahren unsere Werte am besten, indem wir sie zukunftsfähig machen – gemeinsam und auf Augenhöhe.
